Ein vatikanisches „Laien-Ministerium“? Noch wedelt der Schwanz mit dem Hund.

Im Vatikan soll der bisherige „Päpstliche Rat für die Laien“ zu einer „Kongregation“, einer Art Ministerium, aufgewertet werden. Eine strukturelle Konsequenz der Bemühungen von Papst Franziskus um mehr Nähe zu den Menschen, zum „Volk“. Zweifellos „ein  Schritt in die richtige Richtung“, wie man heute so gerne sagt, wenn man einerseits Geschehenes würdigen will und andererseits doch meint, dass da noch viel mehr kommen muss. Vor allem aber wirft diese Maßnahme ein grelles Licht auf den Ist-Stand, auf den Ausgangspunkt für die sich abzeichnenden Reformen. Das „Kirchenvolk“, dem angeblich alle Ämter und Dienste in der Kirche dienen sollen, ist derzeit gerade einmal Thema  e i n e r, noch dazu deutlich niederrangigen vatikanischen Behörde. Und die wurde auch erst im Zuge des II. Vatikanischen Konzils und dessen Wiederentdeckung des Kirchenvolkes geschaffen – mit einem Nicht-Laien, einem Bischof, als Leiter.

Ohne die Arbeit des Päpstlichen Rates für die Laien geringschätzen zu wollen: Hier wedelt – um es salopp, aber keineswegs übertrieben auszudrücken – der Schwanz mit dem Hund. Und das Kirchenvolk bekommt das tagtäglich zu spüren. In Limburg, wo es zuschauen und raten darf, was hohe geistliche Herren bezüglich der Zukunft seines Diözesanbischofs „vertraulich“ aushandeln. In der slowakischen Diözese Trnava, wo die Kirchenbasis nicht einmal gewürdigt wird, die Gründe für die brutal durchgezogene Absetzung des Bischofs zu erfahren. Und überall dort, wo Bischöfe mittels Zusammenlegung von  Pfarrgemeinden zu immer anonymeren „Seelsorgegroßräumen“ den Pfarrermangel verwalten. Über die Köpfe der Menschen hinweg, die Tag für Tag ihre Pfarrgemeinde am Leben erhalten und viele Ideen hätten, wie es weiter gehen könnte. Die Ideen passen nur nicht in das Kirchenkonzept der Kirchenleitung, die die Getauften als „Laien“ im umgangssprachlichen Sinn des Wortes betrachtet und behandelt: als unzuständiges und unqualifiziertes Fußvolk.

Was in der Tauffeier und vielen feierlichen Lehrdokumenten beschworen wird, damit wird im Kirchenalltag (noch) nicht ernsthaft gerechnet: dass nämlich der Geist Gottes auch und in vielen Fragen gerade aus den Glaubens- und Lebenserfahrungen der „Laien“ und deren Einschätzung von Fragen und Problemen sprechen kann. Für die Getauften wird vielleicht demnächst eine eigene vatikanische Kongregagtion, ein Art „Ministerium“ eingerichtet werden. Bis zum Umgang mit ihnen als mündigen Kirchenbürgerinnen und Kirchenbürgern, die sich in ihre eigenen Angelegenheiten einmischen dürfen, ist es aber noch ein weiter Weg.

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5 Antworten zu Ein vatikanisches „Laien-Ministerium“? Noch wedelt der Schwanz mit dem Hund.

  1. Silvia Brückner aus Deutschland schreibt:

    Inzwischen ist auf Radio Vatican der Fragebogen zur Familienpastoral veröffentlicht worden.

    Die Fragen sind so formuliert, dass sie sich an in der Seelsorge Tätige wenden, was natürlich auch Laientheologen sein können, aber nicht an „normale“ Laien.

    Ferner kann ich den Fragen- zumindest bis jetzt – keine neue Offenheit der kirchlichen Lehre bzgl. der „heißen Eisen“ in der Sexualmoral entnehmen.

    Viele jubeln, weil sie sich etwas erhoffen, ich halte diesen Jubel zumindest für sehr verfrüht.

  2. Christine Neumeyer schreibt:

    Bestrebungen von Frauen, die sich innerhalb der Kirche behaupten wollen, gibt es schon lange:
    Siehe auch die Geschichte der Vilemina von Böhmen: http://www.radio.cz/de/rubrik/geschichte/vilemina-von-boehmen-geheimnisvolle-ketzerin-aus-dem-mittelalter
    Zitat:
    „Damals entstand eine Bewegung namens Devotio Moderna, das heißt ‚Neue Frömmigkeit’. Die Frauen wollten sich in Bereichen engagieren, die bislang nur Männern vorbehalten waren. Nur Priester konnten Gottesdienste halten, die Beichte abnehmen oder predigen. Immer mehr Frauen interessierten sich aber für das geistliche Leben, es waren vor allem Frauen aus dem Adel. Sie gründeten zahlreiche Klöster, beeinflussten die Politik und waren wohltätig. In diesem Zusammenhang lassen sich Agnes von Böhmen nennen, Hedwig von Schlesien, Elisabeth von Thüringen oder einige Frauen aus dem ungarischen Adelsgeschlecht Arpad. Die Bewegung ergriff jedoch auch die Mittelschicht und führte zur Entstehung der so genannten Beginen. Dies waren Witwen und ledige Frauen, die zusammen in Kommunen nach klösterlicher Art lebten. Sie wurden von vielen Menschen bewundert und unterstützt, aber die kirchlichen Würdenträger sahen diesen Trend nicht gern. Er entzog sich nämlich ihrer Kontrolle“, so Ladislav Žemlička

    Wäre schön, wenn sich viele hunderte Jahre später endlich etwas bewegen würde!
    lG, Christine Neumeyer

  3. Silvia Brückner aus Deutschland schreibt:

    Wobei sich mir die Frage stellt, wer dieses neue „Ministerium“ leiten wird – ein Bischof oder ein Laie? Was mir auch aufstößt, dass Papst Franziskus eine eigene „Theologie der Frau“ entwickeln lassen möchte. Frauen sind schließlich ganz normale Menschen und keine Wesen von einem anderen Stern.

    Und dass, wenn es um „die Frau“ geht immer Maria beschworen wird, auch von Papst Franziskus, verursacht mir Unbehagen, genauso, wenn Kleriker von der „Würde der Frau“ sprechen, die dann darin gipfelt, dass „die Frau“ bis in alle Ewigkeit nicht Priesterin werden darf, denn selbst Maria war keine Priesterin, obwohl sie doch „viel wichtiger als die Bischöfe ist“.

    Ich habe Papst Franziskus sehr gern, aber ich wünsche mir mehr Klarheit in seinen Aussagen.

  4. Pingback: Katolsk Vision » När svansen viftar med hunden

  5. Franz Fuchs schreibt:

    man darf einfach nicht locker lassen, den vatikan aufzuwecken

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