Seattle: Junge Ungeduld mit der Geduld und geduldige KämpferInnen

400 TeilnehmerInnen kamen in die Seattle United Methodist Church, 05-08-2013

400 TeilnehmerInnen kamen in die Seattle United Methodist Church, 05-08-2013

Die jugendliche Teilnehmerin an der Conversation in der First United Methodist Church in Seattle tritt nach kurzem Zögern doch ans Mikrofon. Sie fragt mich, was sie und ihre Generation von der Kirche zu erwarten hätten. Ob das, was ich soeben über die Kirchenvisionen des II. Vatikanischen Konzils erzählt hatte, bald verwirklicht werden könnte. Ich versuche, dem Mädchen zu vermitteln, warum ich da Hoffnung habe. Gleichzeitig geht mir durch den Kopf, dass meine Gesprächspartnerin die Tochter oder Enkeltochter des größten Teils der Versammelten sein könnte. Als ich darauf zu sprechen komme, dass wir selbst mit ganz konkreten Reformschritten beginnen müssen und nicht nur auf die große Reform warten dürfen, nickt sie zustimmend. Und wieder einmal wird mir klar, warum so wenige aus ihrer Generation an Versammlungen wie diesen interessiert sind. Sie haben keine Geduld mit unserer Geduld für ein Jahrzehnte langes Ringen mit der Kirchenleitung um Reformen. Tun wir es doch, wenn wir es für richtig halten, ist ihre Perspektive. Wirkliche Autorität hat für sie, wer als hilfreicher Ermöglicher und Förderer erlebt wird. Wahrscheinlich sind junge Menschen mit Interesse für eine Reform der Kirche besser in Gemeinden aufgehoben, in denen Reform bereits gelebt wird und von ihnen miterlebt und  mitgestaltet werden kann

Seattle, 05-08-2013

Seattle, 05-08-2013

Ein anderer jugendlicher Teilnehmer ist mit seinen Großeltern zur Conversation gekommen. Ich frage ihn scherzhaft, ob er sich denn unter den vielen Erwachsenen und Älteren nicht ein wenig verloren komme. Nein, gar nicht, meint er. Im Gegenteil. Ihn interessiere sehr, wofür sich seine Großeltern in ihrem Alter immer noch so begeistert engagieren. Das hat natürliche Autorität für ihn. Übrigens auch für mich: ich habe in diesen drei Wochen in viele junge Gesichter alter Katholikinnen und Katholikinnen schauen können. In ihnen lebt das Zweite Vatikanische Konzil mit seinem geistigen Aufbruch. Und sie setzen sich für diesen Aufbruch unbeirrt ein. Ich sitze hier auch für meine Kinder und Enkelkinder, erzählt mir eine dieser alten Kämpferinnen, für eine Kirche, mit der sie sich identifizieren können.

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18 Antworten zu Seattle: Junge Ungeduld mit der Geduld und geduldige KämpferInnen

  1. Arthur Ratzinger schreibt:

    Wie man auf den Fotos (zum wiederholten Mal) unschwer erkennen kann, sind die ganzen Kirchenreformer zu 90 Prozent 60+. Die jüngere Generation hat schon längst andere Sorgen. Irgendwann ist der ganze Kirchenreformskrawall, der zusehends müder wird, vorbei — er hat ein natürliches Ablaufdatum.

    • Johann Amann (Leiter des Projektes "Volksuniversität Kiev") schreibt:

      Welche Sorgen hat die Jüngere Generation? Das wäre wichtig zu wissen! Interessiert sie sich für die Kirche und für Religion? Für welche Art von Religion? Wie stellt sie sich die Weiterentwicklung innerhalb der Kath. Kirche vor?

      Können Sie schreiben, was Sie dazu meinen? Ich interessiere mich sehr dafür. Falls Sie wollen, können Sie mir auch persönlich schreiben. Meine Adresse ist: amann.joh@gmx.net

    • Johann Amann (Leiter des Projektes "Volksuniversität Kiev") schreibt:

      Herr Arthur Ratzinger, Sie haben einen berühmten Familiennahmen. Werden Sie zu einem Sprachrohr der Jüngeren Generation, der Sie vermutlich angehören!

      Sie weisen auf einen wichtigen Punkt hin. Die Zukunft einer Gesellschaft ist die Jugend und die Jüngere Generation – das gilt auch für die Kirche.

      Welche Vorstellung hat die JG von der Kath. Kirche? Ist sie mit ihr voll und ganz zufrieden oder braucht sie sie überhaupt noch? Bevorzugt sie andere Kirchen?
      Welche Vorstellung hat sie von der Zukunft unserer Gesellschaft und Welt? Wie soll sie ins „rechte Lot“ kommen?

      Dass es eine Reform und Weiterentwicklung im Christentum und in der Kath. Kirche braucht, ist wohl den meisten einleuchtend! Aber in diese Reformbewegung muss auch die JG einbezogen werden – und sie muss auch bald von ihr getragen werden.

      Werden Sie zu einem Sprachrohr der JG!

      • Johann Amann (Leiter des Projektes "Volksuniversität Kiev") schreibt:

        Der Weltjugendtag in Brasilien wurde von mehr als 3 Millionen jungen Menschen besucht. Es gab grosse Begeisterung. Die Jugend hat tiefe Sehnsüchte und grosse Erwartungen.

        Werden diese Erwartungen nicht enttäuscht? Wie müssen die „Weichen“ gestellt werden, dass sie NICHT enttäuscht werden?

        Es gibt viele Fragen, auf die wir eine Antwort brauchen!

  2. Paul Gourgai schreibt:

    Was den so oft strapazierten Mythos vom „Sündenfall“ betrifft, so hat der Systemheoretiker Niklas Luhmann trocken kommentiert: „es kommt zum Sündenfall, wenn Gott im hinteren Teil des Paradieses spazierengeht, um die kühle Abendluft zu genießen, und der Schlange das Terrain überläßt.“ Und ergänzend: „Der Mythos vom Sündenfall läßt verschiedene Deutungen zu,…antwortet aber nicht auf die Frage, warum Gott dies zuläßt.“

    • Johann Amann (Leiter des Projektes "Volksuniversität Kiev") schreibt:

      Auf diese Frage gibt es eine Antwort:

      Gott hat den Menschen zu Seinem Ebenbild erschaffen und ihm Freiheit gegeben. Der Mensch sollte zum Zentrum der Schöpfung werden – sollte auch Herr über die Engelwelt (Luzifer) werden. Dafür musste er sich aber qualifizieren.

      Wie war es möglich, dass Luzifer die Schöpfungsordnung durcheinander bringen und sich über den Menschen stellen konnte?

      Engel haben lt. Bibel männliche Charakterzüge. Dadurch dass Luzifer eine unerlaubte Liebesbeziehung mit Eva einging – und Eva mit Adam (sie hatten noch nicht die geistige Reife dazu; das Wort „erkennen“ hat in der Bibel auch die Bedeutung „eine Beziehung der Liebe eingehen“) – wurde Luzifer zum „Gott dieser Welt“ (Liebe ist die stärkste Kraft in der Schöpfung).

      Das Ziel der Heilsgeschichte besteht darin, dass die Schöpfung wieder „ins rechte Lot kommt“ – und dazu braucht es einen „neuen Adam“ und das ist der Messias.

    • Johann Amann (Leiter des Projektes "Volksuniversität Kiev") schreibt:

      Die Schöpfung ist kein mechanistisches Gebilde, das von eine „Superwesen“ konstruiert und in Gang gesetzt wurde und um das sich dieses Wesen dann nicht mehr kümmert – wie vermutlich Niklas Luhmann gemeint hat (so ähnlich haben auch die „Deisten“ des 18. Jh. gedacht). Die stärkste Kraft ist das, was man „Liebe“ nennt – diese kann aufbauen, aber auch zerstören. Sie erfordert verantwortungsvollen Umgang und sie muss sich im Rahmen einer bestimmten Schöpfungsordnung bewegen.

  3. Agnes Frei schreibt:

    Dass die jüngere Generation bei Veranstaltungen der Reformgruppen nur selten anwesend sind, könnte außer der Ungeduld auch schlicht am mangelnden Wissen um das II Vatikanische Konzil liegen. Wenn ich mir überlege welche Themen meine Kinder im Religionsunterricht behandelt haben, dann unterscheidet sich dies nicht viel von meiner Schulzeit vor 40 Jahren. Spannend und modern war daran leider nicht viel. Glaubenslehre auf breiter Basis fristet nach wie vor ein stiefmütterliches Dasein.

    Wir hatten im Frühjahr ein „Ravensburger Konzil“
    http://www.youtube.com/watch?v=jE9sNi8oVuw
    für alle interessierten KirchenbürgerInnen der Seelsorgeeinheit, um zu Hören, was gebraucht wird. Ein spannendes Ergebnis war die ganz konkrete Wissensvermittlung der Bibelauslegung und Konzilstexte, um nachzuholen, was jahrzehntelang versäumt wurde. Wer nicht Theologie studiert hat, weiß einfach zu wenig, um es den eigenen Kindern so zu vermitteln, dass es noch in ihre Zeit passt.
    Eine ausführliche Materialsammlung zum II. Vatikanischen Konzil für die Erwachsenenbildung hat die Diözese Rottenburg/ Stuttgart zusammengestellt, deren Link ich gerne weitergebe.

    http://www.drs.de/fileadmin/HAXI/Theologie/2_Vatikanum/Materialsammlung_2Vatikanum_Maerz2013.pdf

    Wenn wir den Gedanken der KirchenbürgerInnnenrechte ernst nehmen, und Dialoge auf Augenhöhe führen wollen, dann müssen wir auch die dafür nötige Bildungsarbeit leisten.

  4. Agnes Frei schreibt:

    Dass die jüngere Generation bei Veranstaltungen der Reformgruppen nur selten anwesend sind, könnte außer der Ungeduld auch schlicht am mangelnden Wissen um das II Vatikanische Konzil liegen. Wenn ich mir überlege welche Themen meine Kinder im Religionsunterricht behandelt haben, dann unterscheidet sich dies nicht viel von meiner Schulzeit vor 40 Jahren. Spannend und modern war daran leider nicht viel. Glaubenslehre auf breiter Basis fristet nach wie vor ein stiefmütterliches Dasein.

    Wir hatten im Frühjahr ein „Ravensburger Konzil“ http://www.youtube.com/watch?v=jE9sNi8oVuw
    für alle interessierten KirchenbürgerInnen der Seelsorgeeinheit, um zu Hören, was gebraucht wird. Ein spannendes Ergebnis war die ganz konkrete Wissensvermittlung der Bibelauslegung und Konzilstexte, um nachzuholen, was jahrzehntelang versäumt wurde. Wer nicht Theologie studiert hat, weiß einfach zu wenig, um es den eigenen Kindern so zu vermitteln, dass es noch in ihre Zeit passt.
    Eine ausführliche Materialsammlung zum II. Vatikanischen Konzil für die Erwachsenenbildung hat die Diözese Rottenburg/ Stuttgart zusammengestellt, deren Link ich gerne weitergebe.

    http://www.drs.de/fileadmin/HAXI/Theologie/2_Vatikanum/Materialsammlung_2Vatikanum_Maerz2013.pdf

    Wenn wir den Gedanken der KirchenbürgerInnnenrechte ernst nehmen, und Dialoge auf Augenhöhe führen wollen, dann müssen wir auch die dafür nötige Bildungsarbeit leisten.

  5. Johann Amann (Leiter des Projektes "Volksuniversität Kiev") schreibt:

    Reformbewegungen sind immer Hand in Hand gegangen mit neuen Einsichten in den Göttlichen Heilsplan, die Gott durch Seinen Heiligen Geist mittels berufener Menschen geoffenbart hat.

    So könnte man sich die Frage stellen, ob das auf die neuen Einsichten des koreanischen Pastors Dr. Moon zutrifft (der im vorigen Jahr verstorben ist)?

    So spricht er z.B. davon,

    • dass Gottes Schöpfungsplan darin bestanden hat, dass die ersten Menschen (gemäss Gen 1, 27) nach der Erlangung persönlicher Vollkommenheit das Ideal der Familie verwirklichen und zum Herrn und Verwalter von Gottes Schöpfung werden sollten

    • dass sie dies aber nicht erfüllt haben, weil sie die Verbindung mit Gott verloren haben („Sündenfall“) – wodurch eine Welt der Konflikte und des Elends entstanden ist

    • dass der „Gott des Herzens und der Liebe“ den Menschen aber nicht im Stich gelassen hat und lassen konnte – und unaufhörlich nach einem bestimmten Plan daran gearbeitet hat (und immer noch daran arbeitet), die verloren gegangene Beziehung des Menschen mit Gott wiederherzustellen

    • dass das Ziel dieses Heilsplans auf das Erscheinen eines „neuen Adams“ hinausläuft und dass Jesus Christus vor 2000 Jahren als dieser „neue Adam“ auf dieser Erde erschienen ist

    • dass Jesus aber zurückgewiesen und hiingerichtet wurde – und dass so ein „Zweites Kommen Jesu“ notwendig geworden ist

    Und so könnte man sich fragen, wenn die prophetischen Worte von Dr. Moon zutreffen – was das für die katholische Kirche bedeutet?

    • Silvia Brückner aus Deutschland schreibt:

      Die Genesis ist ein Mythos, kein Tatsachenbericht. Man kann deshalb auch nicht von „den ersten Menschen“ sprechen.

      • Johann Amann (Leiter des Projektes "Volksuniversität Kiev") schreibt:

        Ja, es stimmt, die Genesis ist ein Mythos, aber auch in diesem BIBLISCHEN Mythos werden Wahrheiten vermittelt (das unterscheidet ihn von anderen Mythen): dass es einen Schöpfergott gibt, dass es bei der Erschaffung der Welt eine bestimmte zeitliche Reihenfolge gegeben hat (die im Wesentlichen von der heutigen Naturwissenschaft bestätigt wird; die „Tage“ sind als Zeiträume zu verstehen), dass der Mensch eine besondere Stellung in der Schöpfung hat, dass der Mensch aber von Gott abgefallen ist usw.

        Die Logik sagt, dass die Menschheit einmal begonnen hat – u.zw. von einem ersten Ehepaar (in der Genesis ist von „Adam“ und „Eva“ die Rede) und dass sich deren Nachkommen nach und nach über die ganze Erde ausgebreitet haben. Die sogenannte „Polygenese“ ist eine Hypothese, die wissenschaftlich nicht bewiesen ist und aus m.S. auch völlig unlogisch ist – und auch völlig im Widerspruch zur Bibel und zur kath. Lehre steht.

      • Silvia Brückner aus Deutschland schreibt:

        Na, Herr Amann, sonst halten Sie es doch auch nicht mit der katholischen Lehre. Die Bibel ist nicht als Geschichtsbuch und schon gar nicht naturwissenschaftlich zu verstehen, so sieht das auch die Kirche.

        Für viel bedenklicher halte ich es aber, dass Sie der katholischen Kirche empfehlen, von der Moon – Sekte zu lernen.

      • Johann Amann (Leiter des Projektes "Volksuniversität Kiev") schreibt:

        Da haben Sie meinen Standpunkt völlig falsch verstanden!

        Ich habe sehr tiefe Wurzeln in der katholischen Kirche und verdanke ihr sehr viel. Aber ich habe auch Einengungen erlebt. Deshalb habe ich begonnen, auch über den katholischen „Gartenzaun“ hinauszuschauen – und dabei gesehen, dass es auch in anderen Konfessionen und auch anderen Religionen Dinge gibt, von denen wir etwas lernen können und die uns bereichern.

        Und ich habe auch viele Reisen in andere Kontinente gemacht, auch in den Fernen Osten. Aber trotzdem fühle ich mich dem westlichen Kulturkreis zugehörig, dessen Kultur in der Vergangenheit in einem hohen Masse von der kath. Kirche geprägt wurde. Dass die Welt nun enger zusammengewachsen ist und so eine völlig neue Situation entstanden ist, wissen wir – und ich betrachte das als eine grossartige Sache.

        Es gehört auch zum neuen Geist des Vatikanums II, dass sich die Einstellung gegenüber anderen Religionen und Kulturen geändert hat (siehe Konzilsdokument „Nostra Aetate“). Ich bin allerdings sehr erstaunt darüber, dass bei Ihnen alles, das nicht ins „traditionelle kath. Denken“ passt, gleich eine „Sekte“ ist. Aber ich denke, dass Sie das nicht ernst gemeint haben.

        Es ist heute allgemein anerkannt, dass es in der fernöstlichen Philosophie viele Elemente gibt, die das abendländische Denken (das stark vom griec-römischen Denken geprägt ist) bereichern und so uns „Abendländern“ eine globalere Perspektive vermitteln.

        Wenn Sie sich mit dem Denken von Dr. Moon genauer beschäftigen – was Sie offensichtlich noch nicht getan haben, aber hoffentlich tun werden -, dann sehen Sie, dass er in die faszinierende Welt des fernöstlichen Denkens einführt und dies in einer überzeugenden Weise mit dem abendländischen Denken in Einklang bringt – was natürlich einige Korrekturen, sowohl im fernöstlichen wie auch im westlichen Denken, zu Folge hat.

        „Die Bibel ist kein Geschichtsbuch“:

        In der Bibel gibt es viele historische Texte, aber man muss diese von nicht-historischen Texten unterscheiden lernen (siehe „Bibelkritik“). Aber es gibt auch den Schöpfungsmythos, den man richtig interpretieren muss. Und es gibt zahlreiche Stellen, die symbolisch zu verstehen sind (z.B. die Perikope vom „Sündenfall“) oder Passagen, die sich auf das „Ende der Welt“ beziehen – die ebenfalls richtig interpretiert werden müssen. Leider gibt es bei der „bibelkritischen Methode“ auch eine sehr liberale Richtung, die alles in Frage stellt – sodass vom Glauben nichts mehr übrig bleibt, sondern nur mehr Fragezeichen!

        Ich bin durchaus sehr der Meinung, dass Glaube und Denken (Religion und Wissenschaft) kein Widerspruch ist. Allerdings darf man diezüglich keine voreiligen Schlussfolgerungen ziehen und man muss die Bescheidenheit haben, manchmal auch Fragen (noch) offen zu lassen.

        Diesbezüglich hat Dr. Moon mit seiner geistigen Perspektive einen enormen Beitrag geleistet. Das setzt allerdings voraus, dass man sein Denken genau kennt – und sie nicht nur oberflächlich hinter einer bestimmten „religiösen Brille“ sieht, wie das bei manchen „Experten“ der Fall ist.

        Und ausserdem ist es so:
        Auch wenn ich dem Denken von Dr. Moon – der in einer logisch nachvollziehbaren Weise die Grundprinzipien der Schöpfungsordnung dargelegt hat – zustimme, muss ich deswegen nicht meine Religion wechseln (wie manche meinen), sondern es hilft mir, die eigene Relgion, die auch einem gewissen Wandel unterworfen ist, bessser zu verstehen und mit Mitgliedern einer anderen Religion in einen Dialog zu treten.

        Ich hoffe, Sie gehören zu jenen Menschen, die den Mut haben, über den eigenen religiösen Gartenzaun hinauszuschauen!

        Mit freundlichen Grüssen, Johann A.

      • Johann Amann (Leiter des Projektes "Volksuniversität Kiev") schreibt:

        Vielleicht werden Sie sich fragen: Was ist nun das Besondere an der Lehre Dr. Moons ist, das die traditionelle kath. Lehre ergänzt?

        Ein Punkt besteht darin – und das hat auch mit den Anliegen der PI zu tun: Es gibt nicht nur die Zweiheit von Geist/Körper, sondern auch jene von Mann/Frau – eigentlich etwas, das für jeden einleuchtend uns selbstverständlich ist. Warum aber nicht für die kath. Kirche und für kath. Priester?

        Es gibt schon einen triftigen Grund für den Zölibat in der kath. Kirche und anderen religiösen Gemeinschaften wie buddhistischen Mönchen.

        Und dieser Grund hängt damit zusammen, dass die menschliche Natur zerrüttet oder „gefallen“ ist, wie die christliche Religion sagt. Und diese Zerrüttung wiederum hat damit zu tun, dass wir von Ureltern abstammen, die die Verbindung mit dem Schöpfer verloren haben – wovon im biblischen Mythos vom „Sündenfall“ die Rede ist.

        Die Folge davon war, dass bei der Beziehung Geist/Körper nicht mehr der Geist die leitende Rolle spielte, sondern der Körper und die körperlichen Begierden. Dies wiederum hatte zur Folge, dass auch die Beziehung Mann/Frau nicht mehr vom Geist geleitet wurde, sondern dass die physischen Begierden dominierend wurden. Und in weiterer Folge wurde auch die Beziehung der Kinder untereinander disharmonisch und auch die Beziehung zwischen Eltern und Kinder.

        Und so ist die zunächst zahlenmässig noch kleinere Menschheit in ein immer grösseres Chaos gestürzt, sodass es in der Bibel heisst: „Und es reute Gott, dass Er den Menschen geschaffen hatte.“ (Gen 6,6)

        Das ist die zerrüttete Natur des Menschen, die wir immer noch in uns tragen – und daraus resultieren im Wesentlichen auch die Probleme unserer Gesellschaft.

        Und was sagt die christliche Religion dazu? Sie sagt, dass wir die Selbstsucht, das Hauptmerkmal unserer „gefallenen Natur“, überwinden müssen, vor allem auch dadurch, dass wir uns in selbstloser Weise dem Nächsten zuwenden und Nächstenliebe üben.

        Und sie sagt auch: dass Jesus der erste Mensch auf dieser Erde war, der eine vollkommene Harmonie zwischen Geist und Körper gehabt hat und dadurch das Ideal des Einzelmenschen verwirklicht hat. Er war ein „neuer Adam“, wie Paulus geschrieben hat.

        Aber der Mensch wurde in der Zweiheit von Mann/Frau erschaffen. Der logische Schluss ist daher, dass Jesus nicht nur das Ideal des Einzelmenschen verwirklichen sollte, sondern auch das Ideal der Familie. Und warum hat er das nicht? Er benötigte auch eine Partnerin, die ebenfalls die geistige Reife und Harmmonie von Geist/Körper erlangt hat.

        Aber seine vom Reformgeist getragenen Ideen und Handlungen haben dazu geführt, dass er bereits nach drei Jahren öffentlicher Tätigkeit als Häretiker gebrandmarkt und hingerichtet wurde.

        Viele Grüsse, Johann A.

  6. Silvia Brückner aus Deutschland schreibt:

    Die Konservativen hoffen – leider wohl zu Recht – dass dieser Geist des II. Vatikanischen Konzils mit uns Älteren, die wir dieses Konzil noch persönlich erlebt haben, aussterben wird.

    Ich kann die Ungeduld der Jugend gut verstehen:

    Ich war 11 Jahre alt, als das 2. Vaticanum begann, heute bin ich 62 und erlebe seit 35 Jahren, wie dieses Konzil von zwei Päpsten schrittweise rückgängig gemacht wird.

    Hoffnung auf einen neuen Aufbruch habe ich erst seit der Wahl von Papst Franziskus wieder. Doch frage ich mich, wie lange einem 76- jährigen Papst die nötige Zeit bleiben wird, um seine und unsere Kirche den Anschluss an dieses Konzil wiederfinden zu lassen und wie weit er dabei gehen will.

    Ehrlich gesagt, verliere auch ich allmählich die Geduld!

    • Johann Amann (Leiter des Projektes "Volksuniversität Kiev") schreibt:

      Die Katholische Kirche ist ein sehr komplexes Gebilde, bei dem es auch manches Unheilige gibt. Und wenn jemand auf dem „Stuhl Petri“ in Rom sitzt, dann ist er auch mit dem Unheiligen konfrontiert.

      Deshalb gibt es den Heiligen Geist, den Johannes XXIII. mit der Einberufung des II. Vaticanums in die Kirche hereinlassen wollte – und dieser geht seine eigenen Wege, die wir manchmal nicht so genau sehen!

      Frau Silvia, vom „Kommunion AUSTEILEN“ werde ich nicht mehr reden!! Bezüglich Alter, ich bin noch ein paar Jahre älter – und habe die Geduld noch nicht verloren!!

  7. Johann Amann (Leiter des Projektes "Volksuniversität Kiev") schreibt:

    Genau das ist es! Unbeirrt weiter gehen und nicht immer ängstlich um uns schauen und uns ständig fragen, was wohl dieser oder jeder kirchliche Vorgesetzte sagen könnte! Natürlich soll man immer respektvoll das Gespräch suchen!

    Der Heilige Geist spricht durch unser Gewissen zu jedem von uns. Und der Stimme des Gewissens zu folgen – das ist das Wichtigste für einen Menschen.

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