Denver: Ein Papstwort macht Hoffnung auf neue Wertschätzung

Ein guter Tag kann auch mit einem freundlichen Papstwort beginnen.“Wenn jemand homosexuell ist, den Herrn sucht und guten Willens ist: wer bin ich, dass ich da richten könnte?“ Immerhin einmal ein freundlicherer Ton, als sie ihn bisher von der Kirche gewohnt seien, meinten Terry und Brad. Sie sind Mitglieder von Dignity, einer Gemeinschaft homosexuell orientierter Menschen in der Kirche, und Organisatoren der Catholic Tipping Point – Conversation am Abend dieses Papstzitat-Tages. Eine seltsame Fügung.

In der Conversation, zu der auch viele Mitglieder von Dignity gekomme waren, war das Thema einer auch für homosexuell orientierte Menschen einladenden Kirche genau so präsent wie in den bisherigen Conversations. An diesem Abend in der Capitol Heights Presbyterian Church in Denver wurde es aber besonders konkret. Denn hier saßen viele Menschen, die darauf warten, dass die Kirche es wertzuschätzen beginnt, wenn sie ihre gleichgeschlechtlichen Partnerschaft aus christlicher Grundhaltung und Spiritualität zu leben versuchen, – und nicht selten auch glaubwürdig leben. 

Aus dieser Perspektive habe ich mich unlängst in einem Interview auf die zugespitzte „Homo-Ehe“ – Frage hin positiv geäußert und damit so manche Irritation und Aufregung ausgelöst. Natürlich gibt es dazu verschiedene Meinungen, und ich kann diesbezüglich auch nicht für die ganze Pfarrer-Initiative sprechen, weil wir uns dazu bisher keine gemeinsame Position erarbeitet haben. Für die weitere Diskussion gebe ich aber zu bedenken, ob es nicht Zeit wird für die Überwindung des Nullsummenspiel-Blickwinkels, demzufolge die Ehe zwischen Mann und Frau durch eine Ehe für Gleichgeschlechtliche auf jeden Fall abgewertet und beschädigt werden würde. Dann könnte das Thema sachlicher und gerechter diskutiert werden.    

 

 

 

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13 Antworten zu Denver: Ein Papstwort macht Hoffnung auf neue Wertschätzung

  1. Johann Amann (Leiter des Projektes "Volksuniversität Kiev") schreibt:

    Die „freundlichen Worte von Papst Franziskus“ zum Thema Homosexualität sind wohl unter dem Gesichtspunkt seiner ausgeprägten pastoralen Einstellung zu sehen. Ein Pastor/Hirte kann niemand fallen lassen und verurteilen. Aber trotzdem muss er mit pastoralem Einfühlungsvermögen versuchen, mit seinem Hirtenstab den richtigen Weg zu zeigen.

    Was ist bezüglich Geschlechtlichkeit der richtige Weg und die Norm? Die Antwort auf diese Frage kann nur beantwortet werden, wenn man sich fragt, wie der Schöpfer den Menschen geplant und geschaffen hat. Kann man sagen: Wenn jemand eine Neigung zur Homosexualität hat, dass dies vom Schöpfer so geplant und gewollt ist? Warum gibt es dann klare physische männliche und weibliche Geschlechtsmerkmale und auch diesbezüglich klare Aussagen in der Bibel?

    Die Neigung allein ist noch nicht ausschlaggebend um sagen zu können, dass etwas vom Schöpfer so geplant und gewollt ist – als Christen wissen wir, dass es den „Fall des Menschen“ gegeben hat, wodurch die menschliche Natur in Unordnung geraten ist . Sonst müsste man auch sagen: Wenn jemand eine Neigung zur Pädophilie hat, dass dies auch vom Schöpfer so geplant und gewollt ist. Wir kennen die Ursachen für die Neigung zur Homosexualität noch nicht so genau, aber es ist bekannt, dass es auch eine Heilung gibt.

    Der entscheidende Punkt bei der Diskussion über das Thema Homo-Ehe ist wohl: Ein nicht der Norm entsprechendes Verhalten soll nicht dazu führen, dass auch andere beeinflusst werden, im sexuellen Verhalten ein nicht der Norm entsprechendes Verhalten zu führen – was in weiterer Folge zu einer zunehmenden Orientierungslosigkeit in der Gesellschaft führen würde und katastrophale Auswirkungen hätte.

    Ein wichtiger Punkt dabei ist sicher auch: dass ein nicht der Norm entsprechendes Verhalten möglichst nicht öffentlich zur Schau getragen werden soll – und dass von zuständigen Institutionen im Sinne des Gemeinwohls versucht wird, dies zu verhindern. Dabei spielen auch Gesetze ein wichtige Rolle, sie haben auch eine Orientierungsfunktion. Die Freiheit des Einzelnen oder einer bestimmten Gruppe hat dort ihre Grenzen, wo sie das Gemeinwohl gefährdet und beeinträchtigt. So sehe ich das.

    • Paul Mark schreibt:

      Herr Amann, wenn ich ihre Worte richtig verstehe, so ist nach ihrem Verständnis Homosexualität eine Krankheit die durch den “ Fall des Menschen “ ausgelöst wurde und so vom Schöpfer nicht geplant und gewollt wurde.
      Wie sehen sie analog dann alle übrigen Krankheiten , sind die ebenfalls durch den Fall des Menschen ausgelöst und vom Schöpfer nicht geplant und gewollt ?

      • Johann Amann (Leiter des Projektes "Volksuniversität Kiev") schreibt:

        Was ist die Ursache von Kriegen und vom menschlichen Elend in seinen verschiedenen Formen – auch in Form von Krankheiten? Kann dies der Plan und der Wille eines GUTEN und VOLLKOMMENEN Schöpfers gewesen sein? Das wäre gegen jede Logik.

        Es ist auffallend, dass es im Universum und in der Natur Harmonie gibt – ausser dort, wo der Mensch in die Natur Disharmonie hineingetragen hat (was wir trotz „Uweltschutz“ immer noch in zunehmendem Masse der Fall ist). So muss der Schluss gezogen werden, dass mit dem Auftreten des Menschen Disharmonie in die Schöpfung gekommen ist.

        Die Bibel gibt im Buch Genesis im Bericht vom „Sündenfall“ eine logische Erklärung für den Beginn der Disharmonie in der Schöpfung – die mit dem Erzengel Luzifer, mit Eva und schliesslich mit Adam begonnen hat. Es würde zu weit führen, um eine genauere Interpretation des „Sündenfalls“ darzulegen. Deshalb nur ganz kurz ein paar Überlegungen zu Ihrer Frage:

        Das Hauptproblem des Sündenfalls bestand darin, dass die sexuelle Beziehung der ersten Menschen in einem Stadium erfolgt ist, in dem diese noch nicht die volle geistige Reife für eine Partnerschaft hatten. Dies ist der wesentliche Punkt, der sich aus dem Symbol vom „Baum der Erkenntnis von Gut und Böse“ und dem Gebot, „nicht davon zu essen“, herauslesen lässt.

        Dies hatte zur Folge, dass das PHYSISCHE Verlangen des Menschen die Oberhand über seinen Geist und sein geistiges Verlangen bekommen hat – und dass es so zu einer Umkehr der ursprünglichen Geist/Körper-Beziehung gekommen ist. (Der Mensch ist als Ebenbild Gottes primär ein geistiges Wesen, das auch einen Körper hat – und nicht umgekehrt primär ein physisches Wesen, wie der Materialismus, Marxismus und Darwinismus behaupten).

        Dadurch hat der Mensch seine ursprüngliche Verbindung mit seinem Schöpfer verloren. Und als Folge davon ist es innerhalb der menschlichen Natur zu einem inneren Konflikt gekommen ist, der sich durch die „gefallenen“ und disharmonischen Menschen immer weitervererbt hat und so auch zu einem immer grösseren Durcheinander geführt hat („Diabolos“ – der Durcheinanderbringer).

        Dies hat auch dazu geführt, dass die Beziehungen der Menschen untereinander – zwischen Ehemann und Ehefrau, zwischen Männer untereinander und Frauen untereinander und auch zwischen Eltern und Kinder – völlig gestört wurden und durcheinander geraten sind. Natürlich hat sich dieser Verlust der Harmonie logischerweise auch auf den menschlichen Organismus in Form von Krankheiten verschiedenster Art ausgewirkt.

        Die Bibel berichtet vom Heilsplan unseres guten und barmherzigen Gottes, der aber nicht gegen seinen eigenen Schöpfungsplan handeln kann – und der letzten Endes auf die Wiederherstellung der ursprünglichen Natur des Menschen hinausläuft.

        Jesus war dann nach dem Fall der menschlichen Ureltern der erste Mensch, der nach einer langen Zeit der Vorbereitung als „neuer Adam“ (wie es bei Paulus heisst) auf dieser Erde erschienen ist. Sein Ziel war und ist es, den Menschen einen Weg zu zeigen, wie sie von ihrer „gefallenen Natur“ frei werden können.

        Vielen Dank für Ihre interessante Frage!

    • Paul Mark schreibt:

      Danke Herr Amann für ihre ausführliche Antwort.
      Nur eine Ergänzungsfrage. Bekanntlich gibt es im Tierreich ja auch das Phänomen der Homosexualität. Kann man diese Tatsache mit derselben Schlussfolgerung erklären wie sie es beim Menschen gemacht haben, oder hat dies andere Ursache ?

      • Johann Amann (Leiter des Projektes "Volksuniversität Kiev") schreibt:

        „Homosexuelles Verhalten bei Tieren“….ja, man hat festgestellt, dass es das gibt. Worin die Ursache liegt, dafür gibt es noch keine genaue Erklärung. Eine Erklärung ist, dass es in manchen Fällen zu Veränderungen im Gehirn gekommen ist. Aber die Frage ist immer noch, weshalb? Auf jeden Fall kann man sagen, dass das relativ selten und nicht die Norm ist.

        Man weiss auch, dass es in der Tierwelt zu abnormalem Verhalten kommen kann, wenn der natürliche Lebensraum – oft auch vom Menschen verursacht – gestört ist. Auch die Beziehung zwischen Mensch und Natur ist infolge des „Sündenfalls“ und der damit verbundenen Selbstsucht des Menschen durcheinander geraten – was wir heute auch auf Schritt und Tritt feststellen können.

        Deshalb heisst es auch bei Paulus: „Auch die Kreatur wartet auf das offenbar Werden der Kinder Gottes.“ Der Mensch ist zum Sachwalter der Natur und Schöpfung berufen – nicht zu deren Ausbeuter. Die von Gott geschaffene Schöpfung ist für den Menschen und der Mensch ist für Gott da!

        Alles Gute!

      • Paul Mark schreibt:

        Danke Herr Amman, für ihre Antwort, wobei ich zugeben muß, daß ich einen Zusammenhang zwischen dem „Sündenfall “ und homosexuellen Pinguinen in der Antaktis schwer verstehen kann.
        Auch ihnen alles Gute !

      • Johann Amann (Leiter des Projektes "Volksuniversität Kiev") schreibt:

        Auch Menschen gleichen Geschlechts umarmen und küssen sich, in manchen Traditionen mehr in anderen weniger – deswegen kann man nicht sagen, dass sie homosexuell sind. Wissen wir so genau, wie sich die „Homosexualität“ bei Tieren abspielt?…

      • Paul Mark schreibt:

        Ja, da gibt es einschlägige wissenschaftliche Studien. Sehr empfehlenswert sich damit zu befassen um die ganze Thematik von der Vernunft her zu verstehen.

  2. Pingback: Katolsk Vision » Kardinal Dolan om Franciskus ”Who am I to judge” uttalande om homosexuella

  3. Silvia Brückner aus Deutschland schreibt:

    Nicht vergessen darf man aber über der Euphorie, dass der Papst mildere Worte zum Thema Homosexualität gefunden hat, dass er unmissverständlich erklärt hat, dass für das Frauenpriesterum „die Tür geschlossen ist“.

    Er sprach dann darüber, dass eine „profunde Theologie der Frau“ entwickelt werden müsse, ohne zu erklären, was er darunter versteht.

    Erfreulich ist dabei immerhin, dass man im Vatikan jetzt endlich mal zu realisieren beginnt, dass es Frauen überhaupt GIBT!!!! Und dass man sich mit diesen für die Männerkirche so fremden und bedrohlichen Wesen jetzt sogar theologisch beschäftigen will.

    Inzwischen beherrschen nur noch die Homosexuellen die Medien und ziehen auch in der Kirche die alleinige Aufmerksamkeit auf sich und die „Frauenfrage“ verschwindet wieder in irgendeiner Schublade.

    Ich bin nicht die einzige Frau, die darüber sehr verärgert ist. Im Gegensatz zu den Homosexuellen machen wir Frauen nämlich die Hälfte der Menschheit und die überwiegende Mehrheit der kirchlich Engagierten und auch der stillen Kirchgänger aus.

    Ohne uns könnte die Kirche schon längst „einpacken“.

    Nur dass wir keine Lobby haben, nicht so laut schreien wie ein paar im Übrigen männliche Homosexuelle, lesbische Frauen melden sich ja gar nicht zu Wort.

    • Johann Amann (Leiter des Projektes "Volksuniversität Kiev") schreibt:

      Ich meine, dass die kath. Kirche bezüglich Kirchenleitung von der protestantischen Tradition lernen könnte und sollte – auch wenn diese Tradition nicht einheitlich ist. Ich selbst kenne das „protestantische Modell“ ziemlich gut, weiss aber auch, dass es in der Praxis allerhand Probleme gibt, die aber gelöst werden können.

      Die Kirchengemeinde wird in der prot. Kirche in einem höheren Masse als in der kath. Kirche als normale „bürgerliche Gemeinde“ verstanden. So ist dort eine Kirchengemeinde in der Regel ein Verein nach bürgerlichem Recht – der aber eine klare religiöse (christliche) Ausrichtung hat, die auch ausdrücklich definiert wird. So gibt es auch in der Kirchengemeinde (wie in der bürgerlichen Gemeinde) einen Gemeinderat, einen Gemeindevorstand und einen Gemeindeleiter – und der Gemeindeleiter ist in der Regel NICHT der Pastor (der Pastor wird von der Kirchengemeinde angestellt).

      Auch in der kath. Kirche wurden in jüngster Vergangenheit Schritte in diese Richtung gemacht, so gibt es z. B. einen „Pfarrgemeinderat“, der von der Pfarrgemeinde gewählt wird. Aber im Unterschied zum prot. Modell bleibt der Pfarrer auch Leiter und Hauptverantwortlicher der Pfarrgemeinde – er hat somit eine Doppelfunktion, was ein Relikt des Feudalismus innerhalb der Kirche ist („Pfarrherr“).

      In den „nachkonziliaren“ Kirchengemeinden wurden in zunehmendem Masse Aktivitäten durchgeführt, die nicht nur rein religiösen Charakter (wie Gottesdienste, Sakramentenspendung usw.) haben – nämlich Aktivitäten im Bereich von Erziehung und Bildung, Freizeitgestaltung und im Bereich des Sozialen. Auf diese Weise sind zahlreiche „absterbende“ Pfarrgemeinden wieder „lebendig“ geworden. Und wer ist dafür verantwortlich? Es sind vor allem die sogenannten Laien – und unter diesen insbesondere die Frauen.

      Den Schluss, den man daraus ziehen kann und ziehen sollte, ist: dass das neue („nachkonziliare“) Pfarreimodell logischerweise auch in der LEITUNG der Pfarrgemeinde einen Niederschlag finden sollte – das heisst vor allem, dass es eine klarere Trennung von rein religiösen, priesterlichen Aktivitäten geben sollte und solchen, die den „ganzen Menschen“ betreffen.

      Und vor allem sollte die Gemeindeleitung von einem TEAM (Vorstand) durchgeführt werden, in dem natürlich auch ein Priester vertreten ist – dass der Priester aber NICHT Gemeindeleiter ist. In vielen Fällen wäre wohl eine Frau die geeignete Person für diese Aufgabe – allerdings im Rahmen eines Teams, was nicht dem „hierarchischen“, sondern dem „demokratischen“ Leitungsmodell entspricht.
      Es sollte auch so sein, dass Personen, die sich in einem sehr hohen Masse bei der vielseitigen und anspruchsvollen Arbeit der Kirchengemeinde engagieren (und dort auch gebraucht werden), eine massvolle finanzielle Entschädigung bekommen.

      • Silvia Brückner aus Deutschland schreibt:

        Die Kirchengemeinderäte gibt es schon seit dem Konzil, also seit rund 50 Jahren. Es ist äußerst mühsam, überhaupt genügend Kandidaten für eine Kirchengemeinderatswahl zu finden.

        Die großen Seelsorgeeinheiten werden sowieso von einem Pastoralteam geleitet.

        Die evangelichen Kirchen sind NOCH LEERER als die katholischen. Meine Gemeinde ist noch sehr lebendig, das liegt aber wesentlich mit am Pfarrer, und der muss leider Anfang nächsten Jahres die Stelle wechseln, weil der Bischof verfügt hat, dass dies nach spätestens 15 Jahren zu geschehen hat, ohne die unterschiedlichen Situationen der einzelnen Seelsorgeeinheiten zu berücksichtigen.

        Ohne Rücksicht auf die Gefühle des Pfarrers und der von ihm seelsorglich betreuten Menschen.

        Es müsste sich viel eher auf der Ebene der Bischöfe etwas ändern. Das katholische Pfarreienmodell war gut und tragfähig, nur die XXL – Seelsorgeeinheiten sind kein Zustand, deswegen gehen die Bischöfe jetzt dazu über, Pfarreien einfach aufzulösen und Kirchengebäude „umzuwidmen“, zu verkaufen oder abzureißen. Auch ohne Rücksicht auf die Gefühle der Menschen.

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