Detroit: Elephants in the Living Room

Elephants in the Living Room

Fr. Gerry Bechard, der Pfarrer der Gemeinde SS. Simon and Jude, ist ein Typ down to earth. Das hat vielleicht auch mit seinem bisherigen Leben zu tun. So war er war bei der US – Navy und zwei mal im Kriegseinsatz in Vietnam. Zur Zeit der ersten Aufdeckungen von Kindesmissbrauch in der Kirche wollten er und einige seiner Kollegen bei einer Priesterkonferenz mit dem Bischof  über das alles beherrschende Thema reden. Das Thema war aber nicht auf die Tagesordnung zu kriegen“, schüttelt er heute noch den Kopf.“Es war damals das Gefühl, als wären Elephanten im Wohnzimmer, und keiner will darüber reden“. Daraus ist die Idee entstanden, eine Initiative „Elephants in the Living Room“ zu starten: offene Diskussionen zu offenen Themen  zu anzubieten. Dazu gehören auch die Fragen zur Zukunft unserer Kirche, meinten die „Elephants“ rund um Fr. Gerry, und organisierten die Conversation mit mir in Detroit. Allerdings war das wieder nur außerhalb katholischer Räumlichkeiten möglich: in der Wayne Memorial High School. Sehr viele Menschen kamen aber auch dorthin.

HS2Beim Empfang danach in der Pfarre von Fr. Gerry war viel von den Elefanten im Wohnzimmer namens Kirche die Rede: von den vielen Themen und Fragen, über die die Kirchenleitung mit dem Kirchenvolk nicht reden will. Sehr zur Verwunderung der Bischöfe weichen dann diese offenen Diskussionen eben auf andere Plattformen aus und finden dann etwa in den bösen Massenmedien statt. Dazu fällt mir Dan Rea ein. Er hat mich am Anfang meiner Tour in seine Latenight Radiotalkshow eingeladen. „Ich bin katholisch“, meinte er in einer Sendungspause, “ und in manchen Ihrer Gedanken zur Kirche ziemlich anderer Meinung als Sie.  Aber wenn unser Kardinal hier Sie nicht auf kirchlichem Boden sprechen lässt, dann muss ich Sie zu mir in die Sendung holen. Was soll denn das für eine Kirche sein, in der nicht offen diskutiert werden kann?“

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5 Antworten zu Detroit: Elephants in the Living Room

  1. Johann Amann (Leiter des Projektes "Volksuniversität Kiev") schreibt:

    Pfr. Schüller muss man zugute halten, dass er ein Forum geschaffen hat, bei dem auch in katholischen Kreisen frei die Meinung geäussert werden kann. Jesus ist vor 2000 Jahren gekommen, um den Menschen eine frohe Botschaft von einer neuen Welt zu bringen – einer neuen Welt nicht erst im Jenseits, sondern zuerst hier auf dieser Erde. Allerdings setzte das voraus, dass die Menschen von damals ihre alten Vorstellungen ändern sollten. Wir wissen, dass die Verantwortlichen jener Zeit nicht bereit waren dies zu tun – und dass sie deshalb den Laienprediger Jesus mundtot machen wollten und dies auch getan haben.
    In einer demokratischen Gesellschaft ist das offenbar nicht mehr so einfach. Auch heute brauchen wir wieder eine frohe Botschaft, die uns hilft die Probleme unserer Zeit zu lösen. Welches ist diese Botschaft?… Welche Botschaft von einer neuen Welt hat Pfr. Schüller? Wo ist die Wurzel der vielfältigen Probleme unserer Zeit und wie können sie gelöst werden?…

    • Johann Amann (Leiter des Projektes "Volksuniversität Kiev") schreibt:

      Heute ist es so, dass man nicht mehr unbedingt eine Kirche braucht, um über Fragen des Glaubens zu sprechen. Der Glaube und die Lebensperspektive ist das zentrale Thema von Bildung, das verstehen auch Menschen des ehemals kommunistischen Ostens. Deshalb kann man auch im Rahmen eines Bildungsprojektes über dieses Thema sprechen – und die Menschen haben dafür viel Interesse! Allerdings, es muss logisch sein und es darf nicht zu viel nach Kirche und Religion „riechen“!

      • Johann Amann (Leiter des Projektes "Volksuniversität Kiev") schreibt:

        Gestern gab es in der Stadt Kiev ein grosses Fest: Vor 1025 Jahren (zur Zeit des „Kiever Grossfürstentums“) wurden die Bewohner dieser Stadt im Dnepr getauft. Aus diesem Anlass gab es auch eine grosse Prozession mitten durch die Stadt. Es war erfrischend anschliessend zu sehen, wie junge Pastoren (sie heissen hier „Otez“/Vater) in ihrem klerikalen Ornat von ihren ebenso jungen und hübschen Frauen nach Hause begleitet wurden! Vielleicht könnte in der Zukunft der Priestermangel in der katholischen Kirche durch verheiratete Priester der ukr-orthodoxen Kirche gelöst werden?…

  2. Silvia Brückner aus Deutschland schreibt:

    Vielleicht wird Papst Franziskus sich mit den „Elefanten im Wohnzimmer“ der Kirche beschäftigen. Er berechtigt jedenfalls zu dieser Hoffnung.

  3. Franz Fuchs schreibt:

    erfrischende Zeilen

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