Boston I: Entscheidungen von oben und aus der Ferne

Fr. Stephen zeigt mir die Kirche und die Begegegnungsräume seiner Pfarre, St. Susanna in Dedham bei Boston. Wie ich mich schon davor mittels Homepage der Pfarre schlau gemacht hatte, gibt es hier einiges an Gemeindeleben. Von „Praying and Adoration“ bis zur Geselligkeit, von den Gottesdiensten bis zu Erwachsenenbildungskursen. Jede Generation und jedes große Thema unserer Zeit und von Kirche heute spiegeln sich in den Angeboten und Initiativen wider.

Hier hätte auch ein Vortrags- und Diskussionabend im Rahmen meiner Speaking Tour in den USA statfinden sollen. Hätte sollen. Denn der Erzbischof von Boston, in dessen Erzdiözese Dedham liegt, hat das verboten. Im Hintergrund erfahre ich auch, dass die Pfarre schon vor längerem mit einigen anderen Pfarren zu einem Großverband „ge-clustert“ werden sollte. Fürs erste dürfte das abgewendet sein. Father Stephen ist die Ruhe selbst. Aber bei diesem Thema beginnt auch er deutlich zu vibrieren.

Entscheidungen von oben und aus der Ferne. Angst vor offenen Konversationen einerseits und Strukturreformen wie bei Dienstleistungskonzernen andereseits. Und das soll noch Kirche sein? Der Erzbischof von Boston ist einer jener acht Kardinäle, die der Papst beauftragt hat, Vorschläge für eine Reform der Vatikanzentrale und damit der Weltkirchenleitung zu erarbeiten. Vielleicht geht sich davor noch ein Besuch in St. Susanna aus: um sich wenigstens im Nachhinein mit Fr. Stephen über das Verbot aus der Ferne auszusprechen. Und um das Leben an der Basis der Kirche zu spüren, bevor es ans Reformieren der Weltkirchenzentrale geht.

(Was aus dem für St. Susanna verbotenen Abend anderswo doch noch geworden ist, demnächst in „Boston II“…)

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4 Antworten zu Boston I: Entscheidungen von oben und aus der Ferne

  1. Irène Nordgren schreibt:

    Dear Helmut Schüller
    As a ”cradle catholic ” in Sweden I think I have come to the final conclusion why women can not be ordained as priests in the catholic church. Canon law c. 1024 says ”A baptized male alone receives sacred ordination validly”.

    ”A woman, therefore, may go through all the external motions of a sacramental ordination, but the sacrament will still be invalid. If the canon law 1024 were simply an ecclesiastical law, that was written and promulgated by human church authority, it can be changed. If, however, it has its origins in divine/natural law, there is no authority on earth that may alter it.” (Church says.)

    I think this is much easier to understand if one takes into consideration what could happen if man could be able to change divine / natural laws ?

    What keeps us from floating off into space? The answer is another divine /natural law.

    The law of gravity.

    Canon law 1024 and the law of gravity are 2 divine / natural laws of equal importance for human beings.

    Without gravity, none of the stars or planets would maintain their forms. Without gravity we would all float off into space……..

    Therefore no authority on earth can alter divine /natural law.

    So we all have to be grateful that the pope can not change canon law 1024.

    Or would you like float off into outer space ………..?

    Kindest regards from

    Irène Nordgren in Sweden

    PS Joking apart.

    You have asked a very important question on your blog

    ”Was halten Rede- und Veranstaltungsverbot erteilende Bischöfe eigentlich von den Gläubigen? Diese Frage ist noch viel brisanter.”

    The catholic bishops ? What are their conception of laypeople ? Seriously – my experiance is that catholic bishops regard laypeople as children – not come of age – who don’t yet know what is best for them.

    Catholic laypeople in Sweden for instance are considered unable to take responsibility of what is appropriate for them to read or to whom it is inappropriate to listen. ”The catholic tipping point” is not suitible for the catholic children in Sweden – nicht jugendfrei ……

  2. Pingback: Katolsk Vision » A letter from Sweden to Helmut Schüller

  3. Agnes Frei schreibt:

    Bei jeder Nachricht zu einem weiteren Auftrittsverbot der Pfarrerinitiative frage ich mich,„Wie sichtbar dürfen selberdenkende – hörende Getaufte der katholischen Kirche sein?“
    Wem man die Sichtbarkeit verbietet, dem verbietet man die Existenz. Man ist der/die, als die man angesehn wird – und damit zugehörig wird und ist.
    Welche Zugehörigkeit erfahre ich als Frau in der kath. Kirche, wenn mein ehrenamtliches Engagement gern genommen – mein Mitdenken, mein Mitreden, mein Mitentscheiden, mein Mitwirken im geweihten Raum – jedoch immer dieselbe Antwort bekommt: Stopp
    Welche Zugehörigkeit erfahre ich als geschiedene/r Mensch, wenn ich wiederverheiratet in der kath. Kirche versuche an der Euchasterie teilzunehmen – dieses „Ausgeschlossen werden“ tut weh, nicht nur den Betroffenen, sondern auch allen anderen Geschwister im gemeinsamen Glauben – und es widerspricht zutiefst all dem, was ich an heilbringendem Glauben spüren kann. Was nützt mir denn all die Liebe und Barmherzigkeit, wenn sie mir nicht zuteil wird. – Dann kann ich auch gehen!
    Welche Zugehörigkeit erfahren Priester, die am Zölibat scheitern und mutig und authentisch versuchen ihre Gefühle und ihre Berufung offen und ehrlich zu leben – in der kath. Kirche scheint es keinen Raum zu geben für das Leben.
    Es ist gut, dass sich Reformgruppen in aller Welt vernetzen und all den Suchenden, Fragenden und Selberdenkenden zu Ansehen und Zugehörigkeit verhelfen. Unsere Verschiedenheit ist unser gemeinsamer Reichtum – Armut macht sich da breit wo einseitiger Gehorsam gefordert wird.

    • Silvia Brückner aus Deutschland schreibt:

      Liebe Frau Frei, wie Recht Sie doch haben.

      Ich möchte noch ergänzen, wie widersinnig ich es finde, wenn wir in der Kirche oder von der Kirchenleitung immer wieder aufgefordert werden, uns doch bitte unseres Glaubens zu freuen und diese Freude auch auszustrahlen, wenn gleichzeitig ständig Gebote, Verbote und Forderungen auf uns herabhageln, die einem jede Lebensfreude vermiesen.

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